man sollte sie mit telefonbüchern verprügeln!

das mit der ultradurchgeknallten „initiative neue soziale marktwirtschaft“ verbandelte „institut der deutschen wirtschaft köln“ hat zwei monate vor der bundestagswahl eine wissenschaftliche (sic!) wahlanalyse veröffentlicht, welche die auswirkungen der parteiprogramme auf die wirtschaftliche entwicklung untersuchen soll und auch sonst an dachschaden kaum zu überbieten ist. ginge man ein derartiges vorhaben ernsthaft an, wäre es eine mammutaufgabe mit einem komplexitätsgrad, bei welchem der autor sich nach kürzester zeit heulend auf dem klo verstecken und mit dem klebstoffschnüffeln anfang würde. doch für ein insitut wie das iw köln scheint eine solche herausforderung einfacher als mit dem fc köln aus der ersten bundesliga abzusteigen. zur methodik heißt es lapidar:

„Die Untersuchung zu den oben genannten Politikfeldern erfolgt in drei Schritten: Zunächst werden zentrale Programmpunkte in ihrer ökonomischen Wirkung qualitativ bewertet, anschließend – soweit möglich – die fiskalischen Effekte quantifiziert und schließlich die voraussichtlichen Einflüsse auf das zukünftige Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung geschätzt. Die Quantifizierung Einkommensteuerpolitischer Effekte basiert auf einer IW-eigenen Mikrosimulation […] „ (s.6)

blablabla. ungefähr so habe ich das während meines studiums auch immer formuliert, wenn ich die ergebnisse einer seminararbeit schon vorliegen hatte, aber noch nach einer einigermaßen kohärenten vorgehensweise suchen musste, um den ganzen schwachsinn einleuchtend zu begründen, empirisch irgendwie zu belegen und möglichst schnell die 20 seiten voll zu kriegen, um mit meinem mitbewohner an den see fahren zu können.

entsprechend pragmatisch wird die methodik dann auch gehandhabt: nach 60 langweiligen seiten wahlprogramm-darstellung voller ergebnisoffener analysen („Grundlegend atmet der Programmentwurf [der Partei DIE LINKE] aber den Geist einer Utopie und weniger eines realistisch durchdachten Rentenkonzepts […]“; S.36) werden die zu erwartenden steuer- und sozialpolitischen mehrbelastungen in einer kaum zu überbietenden kurzdarstellung irgendwie aggregiert, willkürlich mit den gewünschten, gesamtwirtschaftlichen folgen in verbindung gebracht und das ganze dann so intepretiert, dass nur die konzernfrettchen der fdp einigermaßen als sieger dastehen können – allerdings mit einem bip-wachstum von geradeeinmal 0,0%, da selbst die sozialstaatsapokalyptiker um rösler&co. nach auffassung der wahsinnigen iw-doktoren steuern und abgaben nicht ausreichend genug hassen.

bei allen anderen parteien gibt es ein minus-wachstum – was allerdings nur logisch ist, wenn man einfach nur die, auf basis der wahlprogramme zu erwartende steuerbelastung zugrunde legt und sie in eine angebotsorientierte korrelation mit dem wirtschaftswachstum setzt à la „höhere steuern = wütende unternehmer, die weniger produzieren“. bei spd, grüne und linke liegen die belastungen in den nächsten fünf jahren ingesamt zwischen 100 und 331,8 mrd. euro (s.65 f.), was nach logik der studie die unternehmer natürlich richtig wütend und faul macht.

doch was mit den zusätzlichen steuermehreinnahmen anschließend passiert, interessiert die „IW-eigene Mikrosimulation“ (s.6) überhaupt nicht. investitionsprogramme in bildung und forschung, ausbau der infrastruktur, stärkung der binnenkaufkraft, wirtschaftsfördernde subventionen jedweder art – all dies offenbar zu vernachlässigende faktoren für die autoren. dass eine studie über die gesamtwirtschaftlichen folgen von wahlprogrammen eigentlich genau hier ansetzen müsste, da diese maßnahmen und ihre auswirkungen – wie jeder freizeitökonom weiß – eigentlich entscheidend sind für die wirtschaftliche entwicklung eines landes, wird… einfach ignoriert!?!?

was???

nein, so habe nichtmal ich meine seminararbeiten geschrieben. denn einerseits abschließend zu erwähnen, dass:

„[…]darauf verwiesen [sei], dass hier nur die Wachstums- und Beschäftigungseffekte der quantifizierbaren fiskalischen Effekte ermittelt werden […]“ (s.64)

und damit

„[e]ine umfassende Abschätzung der Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Wahlprogramme […] damit noch nicht geleistet [sei]“ (ebd.)

gleichzeitig aber eine prognose der fiskalischen auswirkungen der parteiprogramme bis ins jahr 2030 (!) vorzunehmen inklusive der zu erwartenden arbeitslosenzahlen – das ist so dermaßen irre, dass jeder politikstudent im grundstudium bei abgabe dieser studie von seinem professor verprügelt werden würde. mit einem telefonbuch. und das völlig zurecht.

dies alles wäre mir eigentlich vollkommen egal. viel lieber hätte ich mir die aktuellen transfergerüchte auf kicker.de durchgelesen, als mich durch 70 seiten dieses zusammengewürfelten wald- und wiesenblättchens zu arbeiten – wobei ich gestehen muss, dass ich bei einem großteil der seiten nur „blablabla“ vor mich hingemurmelt und einfach weitergeblättert habe. wie auch immer:  es ist leider zu erwarten, dass in den kommenden wochen diese wahnsinnsstudie immer und immer wieder zitiert wird. bei jauch, lanz, illner und wie diese versager ohne richtigen job alle heißen. wir werden reihenweise binsenweisheiten zu hören bekommen, die im regelfall wie folgt eingeleitet werden:

„gerade hat eine wissenschaftliche studie eines instituts aus köln wieder gezeigt, dass…“

stellt euch also schonmal drauf ein: die belügen euch. alle. das ist ihr job.

 

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