Ricky-Riesig-Kolumne VII

Erschienen in der Zeitung des Franz-Plachky-Turniers 2015

Wenn er das Jobcenter betritt, steht jedem Arbeitsvermittler der Angstschweiß auf der Stirn: Ricky Riesig (47) – Sozialhilfeempfänger, Wutbürger und Sprachrohr der Südkurve beim Heidelberger SC gilt als Mann der klaren Worte. Mit Witz, Charme und einer abgebrochenen Berufsausbildung schafft er es regelmäßig, Funktionäre, Trainer sowie Elternbeiratsvorsitzende gegen sich aufzubringen. Ausgestattet mit einem Kopf voller Sprengstoff und einem 36kB-Internetzugang ließ sich der „größte Hetzer seit Heiner Geißler“ (Selbstbezeichnung) jedoch auch dieses Jahr nicht von einstweiligen Verfügungen den Mund verbieten und gibt uns wie immer einen Einblick in seine Gedankenwelt. 

Hallo Fußballfreunde!

Heiliger Bimbam, was bin ich glücklich! 2 Siege, 3-1 Tore, 6 Punkte in einer Saison – gegen die Union! Das gab es das letzte Mal zu einer Zeit, als der Dicke in Oggersheim seinen Saumagen noch nicht püriert essen musste! Zweifacher Derbysieger! Und das nicht etwa durch die so genannte B-Klasse-Elf, sondern durch unsere Bewegungsgestörten aus der Zweiten! Sind kaum in der Lage, selbstständig mit dem Bus zu fahren, aber brechen den Derbyfluch – Wahnsinn! So geweint wie nach dem 1-0 Heimsieg habe ich nicht mehr, seit mir der Richter damals 8 Sozialstunden im Seniorenstift aufgedrückt hat! Klar, dass ich mit meinen Jungs danach noch mächtig die Kuh hab fliegen lassen. Allein Geranien-Kalle war voll wie 5 Russen bei der Krimannektion, hat nachts noch der dicken Gabi von der Kreissparkasse einen Heiratsantrag gemacht und vor Freude einen Bio-Laden angezündet.

Dabei war diese Saison lange Zeit alles andere als ein Wurstkonzert! Die Leistungen beider Mannschaften sind als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ noch wohlwollend beschrieben. Jede EU-Kommission würde lieber eigenhändig ihren Friedensnobelpreis an den nächstbesten Sowjet-Agenten verscherbeln, als dieses Gestümpere auch nur ansatzweise als „Fußball“ zu bezeichnen. Doch genug von all der Weltpolitik! Ich bin der Meinung, dass endlich Fakten geschaffen werden müssen! Zwar besitze ich keinen gültigen Büchereiausweis, dafür habe ich jede Menge Ahnung von Fußball – und deshalb habe ich mit meiner Task-Force-Truppe (Kalle, Ralf) einen Drei-Punkte-Plan ausgearbeitet, damit sich am Harbigweg schleunigst etwas ändert:

  1. Schluss mit dem wissenschaftlichen Hokus-Pokus! Was die Spieler heutzutage brauchen, sind keine Einzelgespräche, sondern ein Turnbeutel, fünf Backsteine und ein Eimer zum Kotzen!
  2. Klare, taktische Anweisungen! Wir müssen uns darüber im Klaren werden, dass das Gehirn eines Kreisklassespielers nur über eine begrenzte Auffassungsgabe verfügt. Selbst simpelste Herausforderungen, wie das korrekte Ausführen eines Einwurfs, überfordert den durchschnittlichen Leistungsträger. Positionsbezogene Aufgaben sollten daher so gehalten werden, dass sie im Zweifelsfall von den Zuschauern vorgemacht werden können.
  3. Schluss mit dem Akademiker-Gequatsche! Beleidigungen sind das entscheidende Mittel, um sich in der Kreisklasse Respekt zu verschaffen. Der gegnerische Trainer, Spielerfrauen, harmlose Passanten oder herumstreunende Kinder – Trainer und Betreuer müssen am Spielfeldrand 90 Minuten lang hochkonzentriert sein, um bspw. ausschweifende Mutmaßungen über Verwandtschaftsverhältnisse zu äußern.

Ich hoffe, dass meine Vorschläge bei den Verantwortlichen nicht länger auf taube Ohren stoßen. Irgend so ein Obdachloser hat einmal gesagt „Erst lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, dann gewinnst du!“. Ich bleibe euer kritischer Mahner:

Ricky

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