Tag 2 – Das Hoteldesaster

Vom beschaulichen Euskirchen ging es an Tag 2 via Lautsprecherfahrt über das beschauliche Troisdorf in das beschauliche Bornheim, wo uns mit einem Trupp von knapp 10 urig-sympathischen Genossen ein unverhältnismäßig großes Empfangskomitee bereitet wurde. Bei dem anschließenden Infostand (Tisch, Sonnenschirm) standen so – inklusive Manuela und mir – knapp ein Dutzend Linke an einer völlig leblosen Hauptstraße im Nirgendwo und verteilten innerhalb einer Stunde ungefähr 10 Flyer, die Hälfte davon an Minderjährige.

Doch der Rheinländer an sich ist bekanntlich eine Frohnatur, der so schnell nichts die Laune verderben kann. Und so widmeten sich unsere Genossen beharrlich ihren Zwiegesprächen untereinander, rauchten Zigarillos und amüsierten sich köstlich. Drohendes Wahldebakel in Schleswig-Holstein? DIE LINKE in NRW in den Umfragen bei 4%? Kein Problem! Et hätt noch imma jut jejange! Als Wahlkampfhelfer beginnt man in solchen Momenten zu verzweifeln.

Nach der anschließenden Lautsprecherfahrt mit dem Direktkandidaten Peter Eßer, begleitete uns auf der Fahrt zu unserem Hotel nach Frechen eine Mischung aus Unbehagen und nackter Angst. Schließlich ist DIE LINKE bekannt dafür, bei der Hotelauswahl für ihre Mitarbeiter ein besonders glückliches Händchen zu beweisen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es in der Parteizentrale eine eigene Abteilung gibt, die sich allein der Schikanierung der eigenen Angestellten widmet. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe wahrlich keine hohen Ansprüche an ein Hotel. Eigentlich muss ein Hotel für mich nur genau zwei Kriterien erfüllen: Ruhe und Sauberkeit. Ein Raucherzimmer an einer Hauptverkehrsstraße im Hotel „Dynamit“ (sic!) erfüllt diese Kriterien jedoch nur bedingt. Da ändert auch das umgebende Industriegebiet nichts, welchem dem Ganzen die fröhliche Atmosphäre einer Betriebsratssitzung bei Schlecker verleiht. Und weil uns nach einem anstrengenden 12-Stunden-Wahlkampftag am Abend im Hotel nicht nach Realsatire ist, entschieden wir uns am nächsten Morgen mit 2 zu 0 Stimmen für einen sofortigen Umzug.

Das Hotel „Dynamit“ in Frechen versprüht den Charme einer Waschmittelfabrik

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